Für Baumerhalt an der Endhaltestelle Frohe Zukunft

In der Frohen Zukunft soll bald der umfassende Umbau der Endhaltestelle der Linie 1 beginnen. Nach der aktuellen Planung müssten im Bereich nordöstlich der dortigen Wendeschleife, die durch ein Stichgleis ersetzt werden soll, eine Großbaumgruppe gefällt werden. Dabei handelt es sich um elf bis zu etwa 80 Jahre alte Bäume mit einer Höhe von über 20 Metern.

Seit dem Gestaltungsbeschluss im Jahr 2014 haben sich die klimatischen Bedingungen in der Stadt verändert. Da die Stadt Halle (Saale) deutschlandweit die Stadt mit der niedrigsten Niederschlagsmenge pro Jahr ist, machen heiße Sommer und lang anhaltende Dürreperioden den Stadtbäumen immens zu schaffen. Besonders junge Bäume sind durch Trockenheit gefährdet, deren Pflege ist kostenintensiv, während große und alte Bäume resistenter gegenüber Trockenheit sind. Die betroffene Baumgruppe, die sich augenscheinlich in einem guten gesundheitlichen Zustand befindet, leistet einen wertvollen Beitrag zur Klimaanpassung im Stadtteil.

Daher ist es notwendig, dass die Planung dahingehend angepasst wird und die Baumgruppe erhalten bleibt. Der Erhalt der Bäume hätte zur Folge, dass die geplante Endstelle verlegt werden müsste. Ausreichend Platz dafür wäre auf der Fläche zwischen der Fahrbahn der Dessauer Straße und dem Eingangsbereich der Grundschule/Turnhalle Frohe Zukunft. Diese Fläche ist Teil einer gemäß Flächennutzungsplan 1998 und Nahverkehrsplan der Stadt Halle (Saale) 2018 freizuhaltenden Trasse für den ÖPNV (Straßenbahn) bis zur Posthornstraße.

Die bestehende Trassenfreihaltung soll eine flexible Reaktion auf Nachfrage- und Siedlungsentwicklungen ermöglichen. Diese sind durch die geplante deutliche Vergrößerung der Justizvollzugsanstalt mit neuem Hauptzugang am nördlichen Ende der Dessauer Straße, durch die bereits jetzt vorhandenen Anlieger sowie durch die zu erwartende gewerbliche Nutzung der Fläche der ehemaligen Siebel-Flugzeugwerke Halle (Industriewerk Nord) durchaus gegeben. Dazu kommt die Möglichkeit, am nördlichen Ende der Dessauer Straße einen Park & Ride-Parkplatz in ausreichender Größe zu realisieren, der von Pendlern aus dem Saalekreis und Kraftfahrern, die von der Autobahn kommen, zum Umsteigen auf den ÖPNV genutzt werden kann.

Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion von Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes durch Reduzierung von Schadstoffemissionen erfordert eine erneute Betrachtung und Wertung der Planung. Sowohl der Baumerhalt als auch das Offenhalten der Möglichkeit zur perspektivischen Verlängerung der Straßenbahnlinie gehen auf das Ziel eines verbesserten Klimaschutzes ein.

Die notwendig werdende Umplanung wäre zwar zunächst mit Zusatzkosten verbunden, würde sich aber z.B. durch den Wegfall der bisher geplanten Busstraße im Haltestellenbereich kostensparend auf die Bausumme auswirken und wäre die auf lange Sicht nachhaltigere Lösung.

Darüber hinaus tangiert die Planung einen weiteren wichtigen Aspekt: Die Wartehalle an der Endstelle Frohe Zukunft, erbaut 1941 von Lois Welzenbacher – einem der bedeutendsten österreichischen Architekten der Moderne – ist das letzte Relikt der funktionalen Industriebauten der Siebel-Werke. Die Wartehalle ist als Kulturdenkmal (Baudenkmal) im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt aufgeführt. Sie steht mit den angrenzenden Bäumen und der Gleisschleife in einem engen städtebaulichen Zusammenhang, das heißt diese Elemente unterliegen dem Umgebungsschutz des Kulturdenkmals.

Die städtebauliche Situation der Platzanlage wird nicht zuletzt durch die Grünstruktur als raumbildende Platzwand und ortsbildprägende Einzelbäume definiert. Die Gleisschleife macht den Standort der Wartehalle erst logisch nachvollziehbar. Sie könnte durchaus als Reservewendepunkt erhalten bleiben (vgl. Wendeschleife Böllberger Weg/Vor dem Hamstertor). Außerdem ist durch den nicht vorhandenen Abstand der bisher geplanten neuen Straße Frohe Zukunft zu dem auskragenden Dach der Wartehalle nicht nur eine optische und funktionale Beeinträchtigung zu erwarten, sondern es besteht durchaus die Gefahr einer physischen Beschädigung z.B. durch große LKW bzw. einen Ladungsüberstand. Zudem stellt die Fußwegführung unter dem Dach der Wartehalle auf Grund der geschilderten beengten Verhältnisse eine Gefahr für Fußgänger sowie Kunden der dort ansässigen kleinen Gaststätte dar.