Härtetest für die hallesche Innenstadt

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Galerie Karstadt am Markt

Mitte Mai wurde publik, dass bei Galeria Karstadt Kaufhof Filialschließungen drohen. Ob und wenn ja, in welchem Ausmaß der Standort in Halle betroffen sein wird, ist derzeit noch unklar. Die Warenhauskette kämpfte schon vor der Corona-Krise mit Umsatzrückgängen, jedoch haben die Einbußen in Folge der Pandemie die Situation noch einmal drastisch verschärft. Doch nicht nur große Ketten spüren die Auswirkungen des Corona-Lockdowns. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet eine hohe Zahl an Insolvenzen im Einzelhandel und befürchtet, dass die deutschen Innenstädte sich drastisch verändern werden.

Würde Halles „gute Stube“ ohne den Kaufhof funktionieren? Reichen die kleineren und kleinen Läden als Magnete für die Innenstadt aus? Der Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung in Sachsen-Anhalt (MIT) Detlef Gürth forderte in der Mitteldeutschen Zeitung vom 18.05.2020 „eine zielgerichtete Aufwertung der Innenstädte als Dienstleistungszentren, Kultur- und Freizeitoasen“. Diesem Appell können wir uns anschließen. Vor einem Jahr veranstaltete die damalige Fraktion MitBürger eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Handel im Wandel“. Aufhänger der Veranstaltung war die Frage, was die Stadt tun kann, um den Marktplatz als Wohnzimmer der Stadt attraktiver zu machen und das Ladensterben in der Altstadt zu minimieren.

Die Podiumsgäste waren sich einig, dass der Onlinehandel nicht allein für das anhaltende Geschäftesterben in der halleschen Innenstadt verantwortlich zu machen sei. Antje Bauer von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau mahnte die Umsetzung der bereits existierenden Konzepte an. Die Stadtverwaltung verfüge über gute Stadtentwicklungskonzepte, die leider nicht konsequent umgesetzt wurden. Tanja Korzer vom Wissensnetzwerk Stadt und Handel machte deutlich, dass Innenstädte zunehmend als Erlebnis- und Begegnungsraum an Bedeutung gewinnen. Gestaltung und Atmosphäre spielen dabei eine wichtige Rolle.

„Die Stadt ist auf einem guten Weg.“, sagt Stadträtin Yvonne Winkler, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, „mit den Salt Labs in der oberen Leipziger Straße wird die junge Stadt sichtbar. Für den Fall, dass Galeria Karstadt Kaufhof uns nicht erhalten bleibt, regen wir einen ähnlichen Prozess für den Markt an.“